Folge uns auf: Teilen
Newsletter Abo:

Berichte der Initiative

Hier könnt ihr bloggen. Einfach registrieren und über das berichten, was ihr spannend und erzählenswert findet.

Zeigt uns, was euch bewegt!

Der WWDL Blog.

20.05.2011

U35 – wie ticken junge Beschäftigte?

Rainer Sturm pixelio.de

Foto: Rainer Sturm  / pixelio.de
Die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen Jahren vor allem im Dienstleistungsbereich tiefgreifend verändert. Junge Beschäftigte kennen aufgrund ihrer kurzen Erwerbsbiografien oft gar keine anderen Verhältnisse. Wie gehen sie damit um? Eine Studie der Tübinger Forschungsgruppe für Migration, Integration, Jugend, Verbände hat untersucht, wie die Generation unter 35 Jahren mit den Anforderungen der Arbeitswelt umgeht und wie ihre Einstellung zu solidarischem Handeln aussieht?

Junge Beschäftigte finden keine Zeit mehr, sich für eine Verbesserung ihrer Arbeitsverhältnisse einzusetzen. Neben den vielfältigen Anforderungen der Arbeitswelt und Lebensgestaltung würden sie das einfach nicht mehr unterkriegen. Diese Annahme konnte die Untersuchung nicht bestätigen. Gleichwohl begegnet die Generation unter 35 dem wachsenden Arbeitsdruck scheinbar gleichgültig. Die jungen Beschäftigten schätzen sich selbst überwiegend als wenig belastet ein. Viele tendieren dazu, über Belastungen hinwegzusehen und eine positive Einstellung zu pflegen.

Dennoch fühlt sich über die Hälfte der Befragten gehetzt, gestresst und erschöpft. Sie nehmen die wachsende Belastung aber nicht als äußeren Druck wahr, sondern als Druck, den sie sich selbst machen. Dieser individuelle Umgang mit den gestiegenen Anforderungen geht auf Kosten gemeinsamer Interessendurchsetzung. Sprich: gewerkschaftliches Engagement.

Wo sich junge Beschäftigte dennoch gewerkschaftlich organisieren, besteht häufig die gemeinsame Erfahrung mangelnder Anerkennung. Denn die Arbeit an sich spielt eine große Rolle für die eigene Identität. Junge Menschen wollen sich mit ihrer Arbeit identifizieren und selbst verwirklichen. Bekommen sie hier keine Anerkennung, kann das dazu motivieren, sich kollektiv dagegen zu wehren.

Häufig reden sich die jungen Leute ihre Arbeitssituation jedoch schön und suchen bei Problemem die Schuld eher bei sich selbst. Das ist umso stärker, desto mehr das neoliberale Dogma der Eigenverantwortung verinnerlicht ist.Trotz der hohen Individualisierung sind allen jungen Beschäftigten soziale Bezüge bis hin zu festen Gemeinschaften sehr wichtig. Solidarisches Handeln findet bevorzugt im engeren Freundeskreis oder unter unmittelbaren Kolleginnen und Kollegen statt. Dabei besteht meist ein Bedürfnis, etwas konkret bewirken zu können. Mit dem allgemeinen Begriff der Solidarität können dagegen die wenigsten etwas anfangen.

Gewerkschaften und betriebliche Interessenvertretungen sollten die Einstellungen junger Menschen für ihre Arbeit ernst nehmen. Denn über die Hälfte der Befragten halten Gewerkschaften grundsätzlich für wichtig. Doch gewerkschaftliches Handeln setzt kommunikative Räume voraus, in denen sich die Betroffenen austauschen können. Durch die zunehmende Vereinzelung in der Arbeitswelt und hohen Flexibilitätsanforderungen gingen solche Räume in der Vergangenheit verloren. Orte zum Austausch zu schaffen wäre vielleicht ein Ansatz, um die Interessen von Beschäftigten besser durchsetzen zu können. Der Bedarf ist da. Das zeigt auch die Zunahme von Depressionen in der jungen Generation unter 35.

0

 

 

Kommentare

Eigenen Kommentar hinterlassen:



Was ist die Summe aus 6 und 5?

 

Zurück